10 gute Gründe...

... für Weißwasser. Bitte? Wie und warum denn ausgerechnet das? Was um Himmels willen soll denn hier der Kick sein, wer verspricht denn da den großen Rausch? Und wo zum Teufel geht denn hier die Post ab, sie ist ja nicht einmal mehr da?

Ein kleiner, nicht ganz so ernst gemeinter Exkurs...

  1. Wir sind schön.

    Kommst Du nach Weißwasser, traust Du Deinen Augen kaum. Und das erste Schlucken hängt fest im Hals. Alleen und Arkaden. Schlösser, Theater, Universitäten. Kaufmannshäuser, prunkvolle Kirchen und ehrwürdige Verwaltungen. Nö. Und doch mit einer Pracht, sicher überschaubar, nichtsdestotrotz von eigenem Charme. Hier findest Du kaum Museales, das war dann der falsche Bahnhof. Hier triffst Du Menschen. Die leben hier tatsächlich. Und weit weniger schlecht, als oft gemeint. Eisstadion, Schwimmhalle, Stadtbad, Waldeisenbahn, Stadion der Kraftwerker, Kulturzentrum, Telux-Säle, Freizeitpark, Kreiskrankenhaus, Stadtbibliothek, Station junger Naturforscher und Techniker, Kreismusikschule, Glasmuseum... das Schlucken löst sich. Abbitte vor dem Herrn, Schönheit hat oft einen verwegenen Namen.

  2. Wir sind multi-soziokulturell.

    Wo andere noch nach der richtigen Übersetzung im Wörterbuch suchen, haben wir miteinander längst unsere Mehrsprachigkeit gefunden. Und das schon seit Jahrhunderten. Keine Frage: Běła Woda klingt sexy. Und wir können auch gar nicht anders, wir sind die Drehscheibe zum Osten. All die Einflüsse, die hier auf uns einprasseln, bilden eine wilde Mischung und bringen Bewegung auf die Halde. Ob es die kleine Punkband oder der spontane Ich-singe-einfach-mit-Chor ist, dramatische Einheiten mit dem Puck oder süffisante Geschichten in der Hafenstube (Was'n Hafenstube?), Mega-Graffitis an der Platte strahlen oder gemeinsam die Stadt entrümpelt wird. Wir haben so viel und es fühlt sich unglaublich gut an. Vom Weltkulturerbe um die Ecke, und wie man dahin am entspanntesten bahnreist, wollen wir jetzt gar nicht reden.

  3. Wir sind wissend.

    Das müssen wir bei unserer Altersstruktur wohl sein, denn wer so viele Menschen in der älteren Generation weiß, der hat auch ordentlich was in der Fibel stehen. Ob wir hier immer alle(s) herausholen oder zumindest genau zuhören, steht wohl auf einem anderen Blatt. Aber der Schatz ist da, und damit lässt sich in der Zukunft doch noch einiges anstellen. Nur eben hin und wieder einen Blick auf den Tacho werfen!

  4. Wir sind geladen.

    Voller Akku. Gut, leichtes Spiel mit 2.5 MW in der Handtasche. Da macht uns so schnell keiner was vor. Früher stand die Leistung beim Altkreis WSW im Protokoll, das hat sich mit der Formierung eines großen Landkreises geändert. Spätestens nach der letzten Wahl dürfte wohl aber auch der Landesvater seine Zweifel haben, ob in dieser Gebietsreform der Weisheit letzter Schluss lag. Die Zahlen sprechen jedenfalls etwas anderes. Und es ist beschämend zu sehen, wie wenig man den Kommunen bei der Verwaltung der Gegenwart und Gestaltung ihrer eigenen Zukunft zutraut. Man merkt schon, wir sind geladen! Gut so, jetzt nur nicht den Stecker ziehen.

  5. Wir sind bissig.

    Von unseren Füchsen, die sich in schöner Regelmäßigkeit vom frühen Herbst bis in das späte Frühjahr hinein in jeden Gegner verbeißen, dürften die meisten sicherlich gehört haben. Aber dass hier auch lange Zeit Bären zu Hause waren und sogar eine eigene Hütte betrieben haben, ist wohl weniger bekannt. Selbige steht nun leider nicht mehr, aber das Erbe ist uns natürlich übertragen worden und wir werden für jeden Honigtopf streiten, den wir auch brauchen, um über harten Zeiten zu kommen. Zu guter Letzt hat sich noch ein neuer Freund eingefunden, den wir selbstredend lieber auf unserer Seite wissen als beim Gegner: Canis lupus.

  6. Wir sind haben Schliff.

    Und damit ist weniger die Kufe unserer Cracks gemeint, sondern der Ruf der Glasmacher, dem Anfang des letzten Jahrhunderts die halbe Welt folgte. Entweder als wahre Künstler an der Schleifscheibe oder in gehobener Bürgerschaft beim Bummel über die Boulevards mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche. Dass wir sogar eine Glasserie mit eigenem Namen gefertigt und über die doch recht beengenden Grenzen hinaus verschifft haben, zeigt den ganzen Stolz auf unsere Tradition. Diese wird weiter gelebt und das hoffentlich noch viele weitere Jahrhunderte.

  7. Wir sind relaxed.

    Blaugrüngelb ziert nicht ohne Grund unser Wappen. Die Wälder können wir vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Unsere Seen, und jene, die da noch kommen, erstrecken sich weit hoch in den Norden und lassen die Ostsee grün werden vor Neid. An den Stränden tummelt sich Jung und Alt, Arm und Reich, Schön und allemal Begehrenswert. Und das sogar mitten in der Stadt. Auf unserem Heidesand flanierte schon der höfische Adel und gab sich sommerlichen Treiben hin. Und zu Winterzeiten schlittern wir auf frostigem Eis im Doppelschub oder Dreivierteltakt, ganz nach Belieben.

  8. Wir sind abgefahren.

    Wer sich uns einmal von Süden aus genähert hat, der weiß wovon wir sprechen. Bizarre Mondlandschaften türmen sich auf, wie man sie sonst nur in Blockbustern zu sehen bekommt. Darüber walten stählerne Ungetüme, endlos pulsierende Adern schlängeln sich zwischen den Abstürzen und dumpfe, metallische Geräusche lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Man meint sich unmittelbar am Set zum nächsten Star-Wars-Streifen. Film ab!

  9. Wir sind berühmt.

    Wo fängt man an, wo hört man auf? Das Lausitzer Glas mit Wilhelm Wagenfeld und Friedrich Bundtzen, Ernst Neufert, die Lausitzer Füchse mit Hartwig Schur, Mirco Lüdemann, Klaus Hirche und vielen mehr, Joseph Schweig, Christa Luding-Rothenburger „Samy“ Streckenbach, Günter Schubert, Jens Harder, Dorothea Luise Mathilde Auguste von Philipsborn, Roland Hemmo, Peter Escher, Achim Mentzel und zig Ungenannte mehr... alle Namen waren oder sind immer noch intensiv mit Weißwasser verbunden und haben uns in aller Welt bekannt gemacht. Das ist schon eine Wucht, Danke.

  10. WIR SIND WEIßWASSER.

    Wir sind hier nahe der Kante, wir leben hart am Rand. Wir können einiges erzählen aus unserer Geschichte, haben mal oben vom Berg gegrüßt, sind dann wieder knietief durchs Wasser gegangen. Wir waren einst die jüngste Industriestadt in Deutschland und sind nun eine der ältesten. Um es kurz zu machen: Weißwasser ist wohl das Spannendste, was Dir in Deinem Leben passieren kann.

10 gute Gründe...

... und noch einige mehr!

Jetzt heißt es: Einfach mal machen – könnte ja gut werden.